03.02.2010
Höher, schneller, weiter?! – Der Einfluss von Kühlung im Sport
Ein jeder weiß sicher noch, wie damals im Schulunterricht beinahe jede Sportstunde mit dem schweißtreibenden Aufwärmen begonnen hat. Doch genau diese Erfahrung steht heutzutage nicht selten im Gegensatz zu dem, was bei sportlichen Wettkämpfen zu beobachten ist. Nur ein Beispiel aus dem Profibereich: Selbst der Weltrekordhalter Usain Bolt läuft seine Bestzeiten ohne vorherige Aufwärmübungen. Darüber hinaus zeigt sich nicht zuletzt im persönlichen Alltag, dass zu viel Wärme einen negativen Einfluss auf die Leistung ausübt. Es überrascht daher kaum, dass sich immer mehr wissenschaftliche Studien gezielt diesem Zusammenhang widmen und den Mehrwert von Kühlapplikationen untersuchen. Die Liste der belegbaren positiven Veränderungen ist dabei meist genauso lang wie die der eingesetzten Maßnahmen zur Kühlung.
Die Anfänge der Forschung zur Beziehung von Temperatur und Leistungsfähigkeit sind vor allem im militärischen und industriellen Bereich zu finden. Auch heute werden hier noch erhebliche Ressourcen investiert, um Methoden zu generieren, die die Einsatzfähigkeit in heißen Umgebungen nachweislich erhalten und steigern. Die Brisanz des Themas wird aber ebenso zunehmend von der Sportwissenschaft erkannt, zumal ein Großteil der sportlichen Wettkämpfe unter sommerlichen Wetterbedingungen stattfindet – eine zusätzliche Belastung für den Körper. Egal ob olympische Spiele in Athen oder Fußballweltmeisterschaft in Südafrika: Oftmals sind die Sportler extremen Außentemperaturen ausgesetzt. Seit Anfang der 90er Jahre ist das Thema Kühlung daher auch im sportlichen Umfeld präsent. Viele einschlägige Studien belegen heute eindeutig einen mobilisierenden Effekt externer Kühlung bei sportlicher Aktivität – insbesondere im Ausdauerbereich.
Körperkerntemperatur als Maß der Dinge
Entscheidendes physiologisches Kriterium ist die Körperkerntemperatur. Wenn diese auf ein kritisches Maß ab 38,5 Grad Celsius ansteigt, schlägt sich dies negativ auf die Leistung nieder – körperliche Grenzen werden schneller erreicht. Zu-rückzuführen ist dieser Zusammenhang auf das Prinzip der Thermoregulation. Bei sportlicher Anstrengung benötigt der Körper einen Großteil – meist über 90 Prozent – der Gesamtenergie für den Temperaturausgleich. Externe Kühlung unterstützt diesen Vorgang und spart damit wertvolle Energie, die der eigentlichen Leistung zugute kommt. Der konkrete Mehrwert des Kälteeinsatzes: Die Reduzierung von Hauttemperatur, Herzfrequenz und Laktatwerten, die Erhöhung des Herz-Minuten-Volumens, die Konzentration der Blutmenge im Körperzentrum oder ein beschleunigter Sauerstofftransport. All diese Veränderungen führen im Endergebnis zu verzögerten Ermüdungserscheinungen, schnellerer Regeneration und einem gesteigerten Wohlbefinden des Sportlers.
Vielfalt an Studien
Unterschieden wird in den Untersuchungen nach dem Zeitpunkt der Kühlung. Hier gibt es Ergebnisse zur Kühlanwendung vor, während, zwischen und nach den Belastungseinheiten. Vor- und Simultankühlung wirken eher leistungsmobilisierend, Zwischen- und Nachkühlung stärker regenerativ. Zudem gibt es einen belegbaren Zusammenhang mit dem Leistungsniveau. Danach sind die Effekte externer Kältezufuhr bei ausdauerdominanten Leistungen größer als im Kraft- und Schnelligkeitsbereich. Dabei gilt es, die konkreten Umstände bei der Einbeziehung von Kälteträgern wie Wasser, Eis, Luft oder künstlich hergestellten Kühlmedien im Auge zu behalten: Die Resultate werden vor allem von der Größe der gekühlten Körperregion, der Temperaturdifferenz zwischen Haut und Kühlmedium, den physikalischen Eigenschaften des Kälteträgers sowie der Dauer des Einsatzes beeinflusst. Die Devise lautet keinesfalls: Viel hilft viel. Es kommt auf die richtigen Hilfsmittel und die optimale Dosierung der Kälte an. Das gilt insbesondere für die weit verbreiteten Eisanwendungen. Zu viel Kälte von unter 15 Grad Celsius kann kontraproduktiv sein, da der Stoffwechsel und das Lymphsystem dadurch gestört werden können. Daher besteht die Herausforderung nun in erster Linie darin, die in den Laborstudien gewonnenen Kenntnisse auch optimal für die Praxis zu nutzen.
Mehrwert im sportlichen Alltag
Gerade bei Wettkämpfen haben sich Kühltextilien, wie beispielsweise Westen, als geeignete Lösung erwiesen. Im Gegensatz zu Kältekammern und Wasserbädern können diese jederzeit mobil genutzt werden. Zudem ist ihre positive Wirkung inzwischen mehrfach belegt. So zeigt ein aktueller Test, dass Probanden mit einer Weste aus dem E.COOLINE-Sortiment bei einem Lauf über 60 Minuten bis zu zwei Stadionrunden mehr zurücklegten als beim Testlauf zu gleichen Bedingungen ohne den Kühlungsvorteil. Eine vorangegangene Gemeinschaftsstudie der Institute für Sportwissenschaft an den Universitäten Münster und Dortmund hatte bereits den positiven Einfluss auf Laktatwerte, Körpertemperatur und Sauerstofftransport bei Anwendung des gleichen Westenmodells nachgewiesen. Auf Basis dieser Forschungsresultate konnten die Wissenschaftler das Potenzial sowohl für den Leistungs- als auch den Breitensport konkretisieren: Im Profibereich ist durch geeignete Kühlung ein Leistungszuwachs von ein bis zwei Prozent möglich. Eine Zahl, die an der internationalen Spitze Welten bedeuten kann – egal in welcher Ausdauersportart. Im Freizeitumfeld ist der Wert noch höher. Ein Leistungsplus von bis zu 20 Prozent ist nicht ausgeschlossen. Das Gefühl, aufgeben zu müssen, setzt in den meisten Fällen erst deutlich später ein. In Anbetracht dieser Ergebnisse ist es daher wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis das „Abkühlen“ zum gewohnten Bild bei Wettkämpfen gehört. Und dann halten die Kühltextilien vielleicht auch schon bald Einzug in den Sportunterricht der Schule.





