04.02.2010
Deutsche Drachenflieger sind heiß auf Kühlwesten
Im Gespräch: Regina Glas, mehrfache Team-Weltmeisterin im Drachenfliegen und Teamchefin der Herren-Nationalmannschaft beim Deutschen Hängegleiter-Verband
Frau Glas, was macht für Sie den Reiz am Drachenfliegen aus?
Die Faszination hat mich bereits als Kind gepackt. Als ich mit zwölf das erste Mal einen Drachenflieger gesehen habe, wusste ich sofort: Das will ich machen. Kurz nach meinem 18. Geburtstag habe ich mich dann für die Drachenflug-Ausbildung angemeldet. Ich liebe das Fliegen ohne Motor und finde es spannend, was dabei alles beachtet werden muss. Der Umgang mit Thermik und den unterschiedlichsten Wetterbedingungen ist immer wieder eine Herausforderung. Zudem reizt mich die Geschwindigkeit. Beim Drachenfliegen erreichen wir bis zu 130 Stundenkilometer, da kommt für mich persönlich das Gleitschirmfliegen mit „nur“ 50 Kilometern pro Stunde nicht heran. Den Mehraufwand nehme ich dafür gerne in Kauf.
Was meinen Sie damit konkret?
Der Drachen ist natürlich schon ein wenig unhandlicher als ein Gleitschirm. Immerhin wiegt er um die 40 Kilo. Sportlich wird das vor allem, wenn man am Berg nicht mit dem Auto bis zum Startplatz fahren kann. Dann muss der Drachen getragen werden. Das kann bei den Wettkämpfen im Sommer durchaus schweißtreibend sein. Im letzten Jahr bei der Herren-WM in Laragne, Südfrankreich, hatten wir bis zu 40 Grad Außentemperatur. Und auch bei Flügen in Australien oder Griechenland ist das Thermometer schon mal auf 45 Grad Celsius und mehr geklettert. Da gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zumal die Vorbereitungsphase im Freien meist Stunden dauert.
Was gehört denn alles zur Vorbereitung?
Das Gerät muss aufgebaut und das Gurtzeug vorbereitet werden. Das dauert meist 30 Minuten. Am Startplatz wird dann gewartet, bis es losgeht. Der eigentliche Start kann sich bei ungünstigen Windbedingungen zudem immer verzögern. Wenn es – zum Teil nach mehreren Stunden – endlich ernst wird, sind die Athleten, die in der Sonne gewartet haben, total verschwitzt und erschöpft. Zeit zum Duschen bleibt keine – meist fehlt auch die Möglichkeit. Für dieses Hitzeproblem haben wir erst seit kurzem eine optimale Lösung.
Wie sieht diese optimale Lösung aus?
Zur WM in Laragne haben wir das erste Mal die Kühlweste von E.COOLINE getestet und waren begeistert. Normalerweise hätten uns die hohen Temperaturen vor dem Start enorm gequält. Bisher bestand der einzige Ausweg darin, Eiswürfel aufzulegen oder sich mit Wasser zu übergießen. Beides nicht unbedingt geeignet, da Eiswürfel zu schnell schmelzen und feuchte Kleidung beim Fliegen unangenehm wird – und sich vor dem Start noch umziehen zu müssen, ist beim Wettkampf eher hinderlich. Mit der Weste konnten wir erholt und perfekt temperiert antreten.
Das heißt, durch die Weste bleibt man fit für den Wettkampf?
Genau. Zu hohe Hitze wirkt sich erfahrungsgemäß negativ auf die Konzentration aus. Die Weste hilft uns bereits im Vorfeld, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gerade beim Drachenfliegen ist außerdem wichtig, auf den Flüssigkeitshaushalt zu achten. Trotz hoher Temperaturen dürfen wir es mit dem Trinken nicht übertreiben. Schließlich sind wir zum Teil bis zu acht Stunden in der Luft – ohne Bordtoilette. Natürlich muss der Wasserverlust, der beim Schwitzen auftritt, ausgeglichen werden. Doch dies ist meist eine Gratwanderung. Wer zuviel trinkt, hat dann während des Wettkampfs eher Probleme, sich auf die wesentliche Aufgabe zu fokussieren, wenn die Blase drückt. Hier ist es der Idealfall, dem Schweiß im Vorfeld Einhalt zu gebieten. Und exakt das tut die Weste.
Also unterstützt Sie die Weste gleich zweifach...gibt es dabei einen Haken?
Nein. Alle, die sie ausprobiert haben, konnten nur Positives vermelden. Während der WM haben die Flieger aus meiner Mannschaft die Weste bis zum Start getragen und waren deutlich erholter als sonst. Das hat auch die Aufmerksamkeit der anderen Nationen auf uns gelenkt. Bei solchen Temperaturen fällt ein zusätzliches Kleidungsstück natürlich auf. Insbesondere die Österreicher wollten genau erklärt haben, was für eine Weste wir da tragen. Und nachdem sich der Zweck rumgesprochen hatte, mussten wir beim Ablegen echt aufpassen, dass sich nicht heimlich, still und leise jemand anderes anschleicht, um die Weste zu probieren.
Nur zum besseren Verständnis: Wie erhält die Weste ihre Kühlfunktion?
Einmal ins Wasser getaucht hält sie den ganzen Tag. Das Funktionsvlies saugt sich voll, die Oberfläche bleibt jedoch trocken. In Frankreich habe ich sie morgens um zehn angezogen und als abends um sechs Uhr alle im Ziel und die Drachen aufgeladen waren, hatte sie noch nichts von ihrer Wirkung eingebüßt. Da sich der Kühleffekt an der Körpertemperatur ausrichtet, habe ich auch nie gefroren, es war immer angenehm. Und auch bei der Bewegungsfreiheit gibt es keine Einschränkungen. Einer unserer Piloten wollte sie gar nicht mehr aus der Hand geben und hat sie sogar während des Fluges getragen.
Wann kommt die Weste das nächste Mal offiziell zum Einsatz?
Wahrscheinlich zur WM am Tegelberg im Mai – je nachdem, wie das Wetter wird. Ganz sicher aber zur EM in Spanien. Dann wollen sie auch die Damen endlich testen. Corinna Schwiegershausen, die dort ihren Titel verteidigt, ist schon ganz heiß darauf, die Weste auszuprobieren. Für gewöhnlich leidet sie stark unter hohen Temperaturen, fühlt sich ausgelaugt und müde. Daher ist E.COOLINE genau das Richtige für sie. Generell gehen wir davon aus, dass wir mit der Weste einen klaren Vorteil haben. Denn die beste Vorbereitung besteht darin, das Schwitzen in der Startphase zu vermeiden. Daher freuen wir uns umso mehr auf die diesjährigen Wettkämpfe.





